Wie man Holzkohle macht

Seit mehr als einen Monat bin ich jetzt schon bei der Herstellung von Holzkohle auf Discipline dabei. Grund genug, einmal zu beschreiben, was ich da genau mache. Die Holzkohle stellen wir nicht in einem offenen Meiler her, wie dies früher getan wurde. Stattdessen steht uns ein speziell zu diesem Zweck konstruierter Ofen zur Verfügung. Dieser besteht aus einer Kammer, in der sich das zu verkohlende Material befindet, und einer Brennkammer, von der aus er angeheizt wird.

Der Holzkohleofen mir Brennmaterial auf der linken und Kohlematerial auf der rechten Seite

Vorbereitungen

Bevor der Ofen bestückt werden kann, muss er erst auf Schäden geprüft und gereinigt werden. Im Anschluss wird die Kohlekammer zu zwei Dritteln mit trockenen Kokosschalen gefüllt. Dabei handelt es sich aber kaum um die harten Schalen, die aus Deutschland bekannt sind, sondern um die faserigen Teile, die meist noch auf der Farm vom harten Kern abgetrennt werden. Auf die Kokosschalen kommt Holz in verschiedenen Dicken. Desto besser das hier verwandte Holz ist, desto hochwertiger ist die entstehende Kohle. Ganz oben und in die Lücken zwischen das Holz kommen dann nochmals Kokosschalen. Wenn der Ofen mit rund 30 Kilogramm Holz und Kokosschalen vollständig befüllt ist, wird die Kohlekammer verschlossen. Zur Abdichtung der Klappen verwenden wir Glaswolle und Roterde. Die Zusammensetzung der zu verkohlenden Materialien ist für einen guten Luftzug im Innern, für die Beherrschbarkeit des Prozesses und für die Laufdauer des Ofens entscheidend. Wenn mehr dichteres oder dickeres Holz im Ofen ist, verlängert sich die Brenndauer deutlich und die Temperatur, auf die sich der Ofen aufheizt, steigt merklich.

Der Prozess

Wenn alles gut vorbereitet ist, geht es ans Anheizen. Hierzu wird in der Brennkammer ein Feuer entzündet. Um möglichst schnell eine gute Hitze zu bekommen, verwende ich meistens Bambus. Bambus gibt eine gute Hitze und verursacht wenig Asche. Da der Luftzug durch die Kokosschalen und das Holz in der Kohlekammer behindert wird, dauert es einige Zeit, bis Flammen und Rauch in den Ofen gezogen werden. Bis zur morgendlichen Teepause um 10 Uhr sollte der Schornstein erste Zeichen gegeben haben. Wenn das Wetter feucht ist oder kein Wind geht, kann sich das aber auch noch länger hinziehen. Mit einem durchgehenden Dampf aus dem Schornstein ist die erste Hürde genommen und es geht ab da vornehmlich um das kontinuierliche Weiterheizen. Was gerade im Ofen passiert, ist am austretenden Dampf bzw. Qualm und an den Geruchs- und Temperaturverhältnissen am Ofen abzulesen. Nach dem ersten Anheizen und der Bildung eines Glutbetts geht es nur noch darum, den Prozess am Laufen zu halten. Je nach dem zu verkohlenden Material ist der Ofen dann zwischen 22 und 4 Uhr fertig. Ab 16:30 ist das Heizen aber nicht mehr meine Aufgabe. Zum Abschluss müssen Schornstein und Feuerluke luftdicht verschlossen werden, damit sich die fertige Kohle beim Abkühlen nicht selbst entzündet. Nach vier Tagen ist der Ofen dann heruntergekühlt und wir können ihn bedenkenlos öffnen und ausräumen. Die erzielte Ausbeute an Kohle liegt immer bei ca. 50% der Ursprungsmasse. Hinzu kommen noch ungefähr 5-6 Kilogramm aus der Brennkammer. Zusammen immer um die 20 Kilogramm.

Was im Ofen passiert

Bevor nach dem Entzünden die eigentlichen Prozesse starten können, muss ein konstanter Luftzug durch den Ofen erreicht werden. Wenn die heiße Luft durch den Ofen strömt, treibt sie zuerst die restliche Feuchtigkeit aus. Solange dies geschieht, quillt weißer Dampf aus der Äße. Wenn die Kokosschalen trocken sind, erhitzen sie sich auf ca. 450 °C. Bei dieser Temperatur tritt das brennbare Gas aus. Was von den Kokosschalen übrig bleibt, ist Holzkohle. Wenn die Schalen durch sind, beginnt das Holz zu arbeiten. Hierbei tritt Naftalin aus. Da dieses bei 250 verdampft, stellt sich der Ofen für eine Weile auf diese Temperatur ein und muss durch geschicktes Anheizen über diesen Punkt gebracht werden. Falls sich das Naftalien zu sehr anreichert, unterbindet es den weiteren Prozess und man erhält Holzessig. Wenn dieser Punkt einmal überwunden ist, heizt der Ofen sich fast von alleine auf 650 – 700 °C auf. Bei dieser Temperatur verdampfen alle oder verkohlen alle nicht mineralischen Bestandteile, wodurch die eigentliche Holzkohle entsteht. Während dieses Prozesses färbt sich der Rauch von Gräulich zu gelblich. Wenn der Ofen durch und alles verkohlt ist, ist der Rauch farblos und nur durch ein Flimmern in der Luft zu erkennen.

Comments

  1. Hallo Theo.Wir wünschen dir ein schönes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.Wir finden es sehr spannend was du alles erlebst und freuen uns schon über Info`s wie bei dir gefeiert wird.Es grüssen dich ganz lieb Sabine und Micha

  2. Spatzennest

    Lieber Theo,
    eine ausführliche Beschreibung für technisch Neugierige und Kokelfreunde 😉
    Du weißt ja, ich gehöre auch dazu.
    LG

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