Weihnachten und Neujahr

Da war es nun das sowohl ersehnte als auch gefürchtete Weinachsfest. Erwartet, wegen des Anlasses zusammen zu kommen und gefürchtet wegen des Weihnachstiefs.

„Weihnachstief, das – bei im Sommer startenden Auslandsaufenthalten von einem Jahr und länger auftretende Depression nach dem ersten Weihnachtsfest. Meist durch starke Unterschiede zum gewohnten Ablauf des Festes, sich zu dieser Zeit einstellende Routine und Wahrnehmung der schlechten Seiten des Gastlandes und häufig geringen bisherige Erfolge hervorgerufen.“

Auf mich traf glücklicher weise nur ersteres zu.

Am 24. Dezember hatten wir, die Freiwilligen uns am Abend zum gemeinsamen Essen und Wichteln verabredet. Svenja und ich hatten die Idee Klöße zu machen, um wenigstens ein wenig klassische Weinachsstimmung zu haben. So bin ich am 23. von Laden zu Laden gefahren, um alle Zutaten zu bekommen. Besonders knifflig war die Kartoffelstärke. Dies gibt es hier nur in 50 Gramm Paketen und das auch nur in einem Laden.

Nach mir gab es in ganz Auroville zumindest erst einmal keine mehr.

Vor dem Aufbruch zu Meenas Haus in Kotakarai muss dann noch mein Wichtelgeschenk eingepackt werden.

Mit der Zeit kamen immer mehr Gruppen an.

Drei Stunden nachdem wir mit dem Kochen angefangen hatten, waren die Klöße fertig und wir trugen alles Essbahre auf die Dachteerasse. Dort gab es nun Klöße mit Rotkohl, Bohnen, Sojabällchen und Schokopudding. Nur die beiden Hühnchen, die sich ein Teil der Gruppe über Holzkohle briet, waren noch nicht fertig.

Zum Essen wurde dann auch der Weinachsbaum angezündet. Dies stimmt sowohl im direkt als auch im übertragenen Sinne. Aber keiner braucht jetzt Angst zu bekommen, der Baum war nahezu unbrennbar und so brannten nur die echten Kerzen.

Nachdem alle Bedürfnisse des Körpers erfüllt waren, trafen wir uns im Kreis mit unseren Geschenkchen vor der Nase zum Wichteln. Dabei entschieden wir bei geraden Zahlen im Uhrzeigersinn und bei ungerade gegen den Uhrzeigersinn die Geschenke weiter zu reichen. Bei einer Sechs konnte man mit einer Person seiner Wahl zu tauschen. Das machten wir eine Runde und dann solange, bis keiner mehr sein eigenes Geschenk hatte. Ich bekam ein Set aus Plastikpistolen mit Saugnäpfen und eine Tüte Haribo.

Nachdem alle Geschenk ausgepackt waren und es bereits auf Mitternacht zuging, gab es die Idee nach Pondy in einen Gottesdienst zu gehen. Kurz entschlossen habe ich mich bei Sahra aufs Motorrad gesetzt und bin mitgefahren.

Als erstes zu einem Tamilischen Gottesdienst. Eine große Kirche mit ganz vielen Menschen davor und noch mehr im Innern. Die Messe wurde live auf große Bildschirme übertragen und anstelle der getragenen Lieder schmetterten poppige Songs mit Instrumenten aus den Lautsprechern. Einzig bei „Halleluja“ und „Ahmen“ sprachen die Leute mit und erhoben sich auch vorher immer. Bei der Verzierung( besser : beim Schmuck in der Kirche) spiegelte sich ebenfalls die Moderne stärker wider als bei uns. So hingen überall Lichterketten und leuchtende Kruzifixe. Von außen wirkte die Kirche eher wie ein Heiratssaal als eine Kirche.

Nach einigen Minuten wurde es uns allerdings zu viel und wir fuhren weiter zu einer Französischen Kirche mit klassischem Gottesdienst auf Französisch und Englisch. Um 3 Uhr morgens ging dann mein längstes Weinachsfest zu Ende. Da es vollkommen anders war als das, was ich kannte, kam zum Glück auch keine Wehmut auf.

Silvester

Silvester ist hier ein ganz normaler Arbeitstag. Dies führte bei mir dazu, dass ich vormittags Wäsche und andere Haushaltsarbeiten machte. Mittags gab es in der „Solarkitchen“ aber einen Auflauf, den es an anderen Samstagen nicht gibt. Am Abend bin ich dann gegen 18 Uhr ins Matrimandir gegangen, wo eine schöne Installation aus Lichtern und Schalen mit Blüten aufgebaut war. Danach trafen wir Freiwillige uns bei Tantos, der Italienischen Pizzeria in Auroville. Danach habe ich noch ein wenig die Ruhe des Tibetian Pavillons aufgesucht und die Öllampen dort bewundert. Gegen 22 Uhr hatte Karin, meine Koordinatorin, die auch auf Disipline wohnt, alle anderen Bewohner der Comunitie zum Feuer und Pootluck eingeladen. Um Mitternacht wurde mit Sekt oder alkoholfreier Bowle angestoßen.

Unser Weihnachtsbaum mit den Wichtelgeschenken
Silvester im Tibetischen Pavilion

Comments

  1. Hallöchen,
    das klingt nach einem sehr andersartigem Weihnachtsfest und einem entspannten Sylvester. Cool das ihr es geschafft habt, euch alle an Weihnachten zu treffen. Hast du noch mehr Bilder die letzten Wochen gemacht. Ich wäre da ziemlich neugierig, wie es so bei dir und bei deinen Ausflügen so aussieht. Dein Wichtelgeschenk hört sich doch verglichen mit anderen Geschenken von anderen Wichtelevents, noch ziemlich sinnvoll an. 🙂
    Ah und noch was: Was ist Pootluck?

    tiefgefrohrene Grüße aus Darmstadt,
    Anton

  2. danke für die Info .Es ist immer wieder spannend,wie die Leute woanders feiern.Das es mit eurem Essen noch geklappt hat,freut uns.Noch viele tolle Erlebnisse wünschen wir dir.
    Lg Sabine und Micha

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