Hundert und eine Nacht … Na fast

  Auf meiner Reise habe ich bisher vier verschiedene Arten von Schlafmöglichkeiten aufgesucht. 

  1. Zeltplätze (8 Nächte), unspektakulär, und nicht weiter erwähnenswert 

2. Pilgerunterkünfte (5 Nächte), hier reicht das Spektrum vom sterilen Bettenlager mit Schnarchsound und Frühaufsteherweckevent bis zum spendenbasierten urigen Dorfhaus mit gemeinsamem Abendessen und toller Gesellschaft.  

  3. WarmShowers Gastgeber (8 Nächte), immer nett, immer mit langen Gesprächen und leckerem Essen, mein absoluter Favorit bei den Unterkünften. Hier übernachte ich bei Privatleuten, die ich vorher über eine Internetplattform angeschrieben habe. Das Ganze beruht auf Gegenseitigkeit und einem netten Miteinander. 

4. Draußen, am Feldrand, im Wald, am Strand oder sonst wo, wo ich gerade bin. Mal in der Hängematte, mal im Zelt oder nur mit der Isomatte neben dem Fahrrad.  Im Tausch für Schlaf gibt es hier am meisten zu erleben und die schönsten Sonnenunter- und Aufgänge zu bewundern.  

Für den einen oder anderen, dem das Vergnügen einer Pilgerunterkunft bisher entgangen ist, hier eine Beschreibung:  In einer Alberge, wie eine Pilgerunterkunft auch heißt, kommt der geschundene Pilger meist mit nur geringem Geldopfer unter. Ein umso größeres Opfer muss meist bei der Pilgerruhe erbracht werden. Auf meiner diesmaligen Tour bin ich den Nonnen um 5:30 entgangen und konnte meine Schnarcherliebe durch den Einsatz von Ohrstöpseln verlängern. Gegen übereifrige Pilger, die viel zu früh die Schlafsaalbeleuchtung einschalten und alle am Packen ihres Rucksackes teilhaben lassen, ist noch kein Kraut gewachsen. Frei nach Jesus „Auge um Auge, Schlaf um Kopfkissen“ hätte ich jedoch gerne den übereifrigen Pilger, morgens um 5:10, nach dem Einschalten der Schlafsaalbeleuchtung, meinem Kopfkissen vorgestellt. Nur schlafe ich weder mit Kopfkissen noch wäre ich schneller gewesen als der Kollegen neben dem Lichtschalter. Der hat den Schlummermodus wieder hergestellt. Das übereifrige Pilgerlein, hat nun noch einmal versuchte das Licht einzuschalten. Beim Aufflammen der Lampen war der Anblick von 16 angriffslüsternen Bären wohl doch grusliger als die Dunkelheit. Schwups, war und blieb das Licht aus. 

  Doch es kam auch vor, dass mich erst die Putzfrau um kurz nach acht aus dem Bett geholt hat.

    Die aus meiner Erfahrung schönsten Unterkünfte sind die Klassischen Albergen, in denen man gegen eine Spende unterkommt. Mal gibt es hier sogar ein einfaches gemeinsames Abendessen, mal nur ein Dach über dem Kopf und einen heißen Tee für den durchgeregneten Radfahrer. Immer jedoch komme ich hier viel mehr und besser mit anderen ins Gespräch als sonst irgendwo.   Nach meiner sehr punktuellen Erfahrung von 2015 und diesem Jahr steht der Preis einer Unterkunft gerne in direktem Zusammenhang mit der Verbreitung von Bettwanzen, Flöhen und Fußpilz. Mehr Geld heißt hier auch mehr von allem anderen. In den einfachen Unterkünften wird viel strenger auf Hygiene geachtet als in den teureren. 

  Vor allem an Regentagen ziehe ich ein viel zu weiches Bett in einer Alberge dem (nassen) Schlafsack im nicht mehr ganz dichten Zelt vor.  

WarmShowers oder andere Gastgeber 

WarmShowers ist eine Internetseite, auf der Menschen eine Unterkunft mit der namensgebenden warmen Dusche für Radreisende kostenfrei anbieten. Das Ganze beruht auf Gegenseitigkeit. Heute bin ich Gast und Morgen biete ich mein Gästezimmer oder mein Sofa für einen anderen an. 

  Ohne Frage meine liebsten Unterkünfte, denn so wie hier lerne ich die Menschen vor Ort und die Kultur nirgends kennen. Zudem hatte ich bis jetzt immer ein eigenes Zimmer, leckeres Abendessen und meist ein genauso leckeres Frühstück. Dazu gab es immer Gespräche über Radreisen, Geschichte oder Land und Leute. So konnte ich mein Wissen über Europäische Fernradwege, das Elsass, Ausbildungssysteme in Frankreich, die Geschichte Burgos und über Permakultur erweitern. Da ich Frankreich jedoch in der Hauptferienzeit durchquert habe und auch in Spanien die Ferien gerade erst zu Ende gehen, habe ich auf die meisten Anfragen keine oder eine „leider nein“ Antwort bekommen.

Wenn es dann doch geklappt hat, war es jedoch umso schöner. Erwähnenswert finde ich auch die Frau, die mich am Straßenrand stehen sah, nach einer Unterkunft oder einem Schlafplatz suchend, und mich spontan zu sich mitnahm. Sie sprach nur Französisch und Italienisch und so haben wir uns mit Wortfetzen, Händen und Füßen ausgetauscht.  

Die meisten Nächte jedoch habe ich draußen verbracht. Je nach Wetter, Mückendichte und Baumbestand in Zelt, Innenzelt, Hängematte oder auf der Isomatte. Wenn möglich am liebsten an einem Bach oder See, aber meist einfach ein Stück einen Feldweg entlang und dann in die Landschaft. Dabei kann es so einige Erlebnisse geben, die in Erinnerung bleiben.

Den Schlaf nicht förderlich sind nächtliche Gewitter, die ein Um- oder Aufbauen der Überdachung erfordern. Wenn ich dann von innen auf das Alugestänge meines Zeltes blicke und die Blitze auffunkeln sehe, muss ich spontan überlegen, ob mein Zelt oder die Bäume am Feldrand bessere Blitzfänger sind.   Fast genauso schlaftötend können Autos sein, die mit ihren Scheinwerfern den Wald abtasten. Gefolgt von Mücken und Wildschweinen, die nach Nahrung suchen.

Eine besondere Aura hat auch die Braunbärenpopulation der Pyrenäen, über die ich intensiv in der Hängematte, kurz unter einem Bergpass im abgelegenen Gelände, nachgedacht habe.   Beim Aufstehen sind steigendes Wasser im Bach neben mir und eine Treibjagdgesellschaft sehr beschleunigend. Regen und Kälte hingegen sehr verzögernd.  

Die schönstens Nächte hatte ich:  

–          Am Atlantik in einem Waldstück zwischen zwei Badeorten. Hier habe ich mir ein echtes Lager aufgebaut und bin gleich drei Nächte geblieben. 

– Auf einem Hügel, mit Seeblick umgeben von Olivenhainen und genähten Feldern

–          An einem kleinen Fluss, gleich neben der Dorfbadestelle (Das hatte ich an der Seine und bei Palencia)

  Wenn es mal kein so schöner Ort war oder ich mir nicht sicher sein konnte, wann der Bauer aufs Feld kommen würde, hieß es spät aufbauen und früh wieder weg sein. Bis auf die Jäger hat mich bisher auch noch niemand weggescheucht.  

Sehr glücklich bin ich über meinen Daunenschlafsack, der mir schon so einige kalte französische und auch spanische Nächte erwärmt hat. Doch auch er hat schon so einiges an Nässe ertragen müssen. Mal Regen, mal Tau und mal die Feuchtigkeit vom Boden, hat er sich schon in so mancher Mittagspause den Bauch von der Sonne kitzeln lassen. 

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