Vom Lac-du-Der zur Darmstädter Partnerstadt

Nach drei Tagen auf Straßen, die mal ganz leer, mal etwas voller waren, kam ich am Sonntag am Lac-du-Der an. Meine Klamotten waren fast gänzlich vom Regen und Tau der letzten Tage durchnässt und ich freute mich auf einen Standplatz auf einem der vielen Campingplätze am See. Leider waren die Campingplätze entweder verunglückte Vergnügungsparks, mit Wasserrutschen, Hüpfburgen und Entertainment Programm und entsprechend teuer oder Vergnügungstempel mit Schauparty und mir etwas zu leicht bekleideten Damen. In beides passte ich nicht. So entschied ich mich, eine Nacht im Wald zu zelten, der Regen war nun ja endgültig vorbei sein.
Aus dem Wald wurde dann einer der Badestrände mit einer traumhaften Aussicht beim Abendessen. Aus meiner ersten Nacht am Strand kann ich aber jedem nur empfehlen den Boden unter dem Zelt vor dem Schlafen glatt zu machen. Sand wirkt zwar sehr weich, ist es aber nicht. So habe ich nur halbwegs gut geschlafen und konnte am nächsten Morgen nach Troyes starten. Meine Idee loszufahren und im ersten Dorf ein Baguette für das Frühstück zu kaufen, scheiterte jedoch am Fehlen eines Bäcker im nächsten und auch übernächsten Dorf. Schon ziemlich hungrig holte ich mir dann zwei Baguettes auf einem Zeltplatz. Beim Frühstück schaute ich mir jetzt mal meine geplante Route an. Was mir die Karte da sagte, gefiel mir gar nicht. Der Fahrradweg, dem ich folgen wollte, verlief nahezu ausschließlich auf Straßen. Noch mehr störte mich die Distanz, die mir angezeigt wurde. Etwas um die 90 Kilometer, hatte ich doch schon 20 Kilometer hinter mir. 70 bis 80 km waren doch bisher gute Strecken gewesen. Zu dem wollte mir noch Troyes anschauen. Ist schließlich eine der Partnerstädte Darmstadts. Schön, dass ich so früh losgefahren war.

Auf den Fahrradweg verzichtete ich, ich hatte eh keine Schilder zu ihm gefunden. eingestellt auf über 90 km machte ich mich mit wenigen Pausen auf den Weg. Die Straßen waren meist sehr klein und die Orte, durch die ich kam, überwiegend kaum mehr als ein paar Häuser. Doch fast jedes Dorf hatte eine stattliche Kirche. Aus alter Gewohnheit blieb ich an einer jeden stehen und schaute, ob sie offen war. Und siehe da, hier abseits der viel befahrenen Wege stand die eine oder andere Tür offen. Ich konnte einige äußerlich änliche aber im Innern sehr unterschiedlich gestaltete Kirchen bewundern. Im Tagesverlauf gesellte sich ein alter Bekannter wieder zu mir. Ab Mittag hatte ich fast durchgehend Gegenwind.
Auf die letzte, nun größere und stärker befahrene Straße eingebogen, wurde ich von einem Wegweiser ernüchtert. Noch immer fast 20 km bis Troyes. Zum Glück wartete dort ein Zeltplatz mit Dusche auf mich. Mit der Aussicht auf eine Dusche und einem abendlichen Bummel mit Pizza oder Ähnlichem, kämpfte ich mich über einen Hügel nach dem anderen. Dann endlich der letzte Hügel und ein Rollen bis zum Zeltplatz. Doch was war das?! Die Wegweiser zum Zeltplatz waren durchgestrichen. Mit einer unguten Vorahnung traf ich vor dem Zeltplatz ein. Das Tor verschlossen, die Auffahrt mit Kraut bewachsen. Hier war schon länger kein Camper mehr gewesen. Nach einem kurzen Durchatmen und einem Blick in die Karte, fand ich einen möglichen Alternativort für mein Zelt. Ein wenig hatte ich ja gehofft, mich würde wer ansprechen, ob ich bei ihm schlafen wollte. Hat aber niemand. Auf dem Weg zu meinem auserkorenen Waldstück kam ich erst an einer Badestelle, dann an einem Maisfeld vorbei. Doch an dem einen konnte ich nicht zelten, an dem anderen nicht baden. So fuhr ich an beiden vorbei. Das auserkorene Waldstück stellte sich dann als Picknickwiese heraus, auf der Bänke standen. Hier konnte ich kochen, aber nicht zelten. Jetzt nach über 100 km gänzlich erschöpft kochte ich trotz Mücken Nudeln mit Pesto. Nach dem schnellen Essen ging es dann doch zurück zur Badestelle und die Nacht verbrachte ich denkbar ruhig am Rand des Maisfeldes. Ohne den festen Plan, erst essen, dann baden, wäre ich mal vor Mitternacht ins Bett gekommen.

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